«Spazieren zu zweit»

Eine künstlerische Forschungsarbeit

Was passiert, wenn man bekannten Persönlichkeiten eine Kamera in die Hand drückt und sie anschliessend ohne konkretes Ziel auf einen Spaziergang schickt? Der Luzerner Künstler Silas Kreienbühl hat genau das ausprobiert. Die Resultate seiner künstlerischen Forschungsarbeit sind im Luzerner Neubad zu sehen.

(Bilder: Silas Kreienbühl) Auch alt Bundesrat Moritz Leuenberger spazierte mit

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger hat es getan, der weltberühmte Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi ebenfalls. Auch Schriftsteller Pedro Lenz, Lachtrainerin Niccel Steinberger, Ex-Botschafter Tim Guldimann oder der Luzerner Regierungsrat Guido Graf haben sich an der künstlerischen Forschungsarbeit von Silas Kreienbühl beteiligt. Über 30 Spaziergänge hat der Luzerner Künstler (35) in den vergangenen Monaten mit Persönlichkeiten aus Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Sport und Politik durchgeführt. Weitere werden in den kommenden Wochen und Monaten noch folgen.

Niccel Steinberger (Frau von Emil) beteiligte sich am Projekt

Im Wald, in der Stadt – im Stadion
So unterschiedlich die Beteiligten, so vielfältig die Spaziergänge: «Die Zeit und der Treffpunkt sind das einzige, was im Vorfeld der Spaziergänge definiert wird», erklärt Silas Kreienbühl die Idee des Projekts. Mit manchen Gästen spazierte der Künstler in der Natur, mit vielen durch die Stadt – und mit Wanja Greuel (CEO der BSC Young Boys) spazierte Kreienbühl gar durch ein Fussballstadion. Die einzige Konstante bildete jeweils die Kamera, welche die Protagonisten zu Beginn des Spaziergangs erhielten. «Sie dient als Hilfsmittel, sich auf bestimmte Standpunkte festzulegen. Ausserdem bietet die Kamera den Spaziergängern die Möglichkeit, ihre Sicht auf die Welt festzuhalten.» Die daraus entstandenen Logbücher mit den Fotografien zeigen Impressionen von Menschen ganz unterschiedlicher sozialer, politischer und beruflicher Prägung.

Wolfgang Beltracchi beteiligte sich ebenfalls am Projekt

Bilder und Gespräche im Neubad
Während manche Touren nach 20 Minuten beendet waren, dauerten andere bis zu fünf Stunden. «Egal ob kurz oder lang: Aus jedem Spaziergang sind spannende Gespräche und Entdeckungen entstanden», so Kreienbühl. An der Ausstellungseröffnung zeigte Kreienbühl nicht nur Fotografien, sondern erzählte auch Geschichten rund um seine künstlerische Forschungsarbeit. Die Bilder, die während der Spaziergänge entstanden sind, dienten dabei als Mittel zum Zweck. «Im Fokus stehen nicht die Fotos, sondern das Spazieren an sich», so Kreienbühl. Mit seinem Experiment verfolgte Kreienbühl das Ziel, ganz unterschiedliche Welten miteinander zu verknüpfen. «Spazieren ist etwas Simples. Jeder kann zum Nachahmer werden und für sich selber anfangen, Erfahrungen zu sammeln.» Bei den Spaziergängen gehe es darum, sich ganz auf den Moment einzulassen und seine Umgebung wahrzunehmen, präzisiert der Künstler. Und das möglichst losgelöst von Urteil und Ziel. Das «Spazieren» sei dabei noch nicht einmal zwingend an eine körperliche Aktivität gebunden: «Es geht um eine Haltung gegenüber jenen Dingen, die uns tagtäglich begegnen. Ich kann auch durch Bücher oder über Bilder spazieren.»

(Bild: zVg) Künstler Silas Kreienbühl schickte Prominente mit einer Kamera auf einen Spaziergang

Fotografien, Texte, Zeichnungen
Das Thema «Spazieren» ist seit vielen Jahren ein Kernaspekt des künstlerischen Werks von Silas Kreienbühl. Wer spaziert, erfährt viel über sich selbst und seine Umgebung. Nebst fotografischen Arbeiten entstehen dabei auch Texte, Zeichnungen und andere Arbeiten. «Ich sehe einen grossen Wert darin, als stiller Beobachter unterwegs zu sein, den Moment wahrzunehmen und zu sammeln. Darauf kann man ganze Weltbilder aufbauen.» Ebenso wertvoll sei es aber auch, diese Erfahrung mit einer Begleitung zu erweitern. Genau diese Idee stehe am Anfang der künstlerischen Forschungsarbeit «Spazieren zu zweit».

pd


Ausstellung im Neubad
Die Ausstellung «Spazieren zu zweit» wird bis zum 20. März 2019 in der Neubad Galerie in Luzern gezeigt.

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